Text des Monats

Ich versuche in den ersten Tagen eines jeden neuen Monats, hier einen weiteren "starken Text" hinzuzufügen.

 

 

Juni 2014

Verehrte Leser, es folgen keine weiteren monatlichen Beiträge, da ich meine begrenzte Energie auf meine zunehmende Vortragstätigkeit konzentrieren will.

 

 

 


Mai 2014

 

Macht Denken glücklich? (K. P.)

 

Heißt gescheiter sein wirklich heiter sein? Hat nicht Sartre behauptet, Intellektuelle hätten ein obligat unglückliches Bewusstsein? Ist nicht der naive Unbekümmerte der Glücklichere? Guter Einwand: Zunächst stimme ich zu: Bildung oder ein hoher IQ sind kein Garant für Glück, da mit dem Bewusstsein zunächst auch das Problembewusstsein mit ansteigt. Aber dies halte ich für ein Durchgangsstadium, wenn das Denken immer auch von lebendigen Emotionen begleitet war und ist. Wenn die nackte, abstrakte Vernunft mit Leidenschaft und Spontanität einher geht, dann behält der Denker als „Besonnener“ seine Sonne. Der Weise hat das Durchgangsstadium gut durchschritten. Er weiß um die Widerwärtigkeiten des Lebens, aber er steht darüber in heiterer Gelassenheit. Diesen Zustand halte ich für wertvoller als die oberflächlich euphorische Indifferenz des tumben Tors, dessen Lustigkeit eher der Nicht-Wahrnehmung und der Bildungsferne entspringt. Menschen mit Tiefgang laufen zwar schneller auf Grund, aber sie haben auch das Potenzial, das zu überwinden und eine positive Stimmung oder Daseinsgefühl zu erreichen. Kurz sagt es ein lateinisches Wortspiel: Per aspera ad astra = durch die Dunkelheit zu den Sternen.

 

 

 

 

April 2014

Osterpause

 

 

 

März 2014

 

Charlie Chaplin an seinem 70. Geburtstag am 16. April 1959

 

Als ich mich selbst zu lieben begann …

 

Als ich mich selbst zu lieben begann,

habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,

zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und dass alles, was geschieht, richtig ist –

von da an konnte ich ruhig sein.

Heute weiß ich, das nennt man: Vertrauen.

 

Als ich mich selbst zu lieben begann,

konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid

nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben.

Heute weiß ich, das nennt man: Authentisch sein.

 

Als ich mich selbst zu lieben begann,

habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen

und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war.

Heute weiß ich, das nennt man: Reife.

 

Als ich mich selbst zu lieben begann,

habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben,

und habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.

Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude macht,

was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt,

auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.

Heute weiß ich, das nennt man: Ehrlichkeit.

 

Als ich mich selbst zu lieben begann,

habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war,

von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen

und von allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst.

Anfangs nannte ich das gesunden Egoismus,

aber heute weiß ich, das ist: Selbstliebe.

 

Als ich mich selbst zu lieben begann,

habe ich aufgehört, immer Recht haben zu wollen,

so habe ich mich weniger geirrt.

Heute habe ich erkannt, das nennt man: Demut.

 

Als ich mich selbst zu lieben begann,

habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben

und mich um meine Zukunft zu sorgen.

Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet,

so lebe ich heute jeden Tag und nenne es: Bewusstheit.

 

Als ich mich selbst zu lieben begann,

da erkannte ich, dass mich mein Denken armselig und krank machen kann.

Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte, bekam der Verstand einen richtigen Partner.

Diese Verbindung nenne ich heute: Herzensweisheit.

 

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,

Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,

denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten.

Heute weiß ich, das ist: Leben!

 

 

 

Kommentar:

Das Selbstwertgefühl gilt als Achillessehne der seelischen Gesundheit und als tragende Säule aller Lebenskunst. Es ist unmöglich, sich glücklich zu fühlen, wenn man sich selbst nicht leiden kann und sich meterlang zum Halse heraushängt. Das Dasein wird unerträglich, wenn man permanent unter seiner eigenen Missbilligung leidet. Was nützt es, sich zu finden, wenn man es bei sich selbst gar nicht aushält. Und wie miserabel sähe die Nächstenliebe aus, wenn sie der Selbstliebe entsprechen soll? Also: Liebe dich selbst!


 

 

 

Februar 2014

 

Der Adler, der nicht fliegen wollte (von James Aggrey)

Ein Mann ging in den Wald, um einen Vogel zu fangen, den er mit nach Hause nehmen konnte. Er fing einen jungen Adler, brachte ihn heim und steckte ihn in den Hühnerhof zu den Hennen, Enten und Truthühnern. Und er gab ihm Hühnerfutter zu fressen, obwohl er ein Adler war, der König der Vögel.

Nach fünf Jahren erhielt er den Besuch eines naturkundigen Mannes. Und als sie miteinander durch den Garten gingen, sagte der: „Dieser Vogel dort ist kein Huhn, er ist ein Adler!“ „Ja“, sagte der Mann, „das stimmt, aber ich habe ihn zu einem Huhn erzogen. Er ist jetzt kein Adler mehr, sondern ein Huhn, auch wenn seine Flügel drei Meter breit sind.“ „Nein“, sagte der andere, „er ist immer noch ein Adler, denn er hat das Herz eines Adlers. Und das wird ihn hoch hinauf fliegen lassen in die Lüfte.“ „Nein, nein“, sagte der Mann, „er ist jetzt ein richtiges Huhn und wird niemals fliegen.“

Darauf beschlossen sie, eine Probe zu machen. Der naturkundige Mann nahm den Adler, hob ihn in die Höhe und sagte beschwörend: „Der du ein Adler bist, der du dem Himmel gehörst und nicht dieser Erde: Breite deine Schwingen aus und fliege!“ Der Adler saß auf der hochgereckten Faust und blickte um sich. Hinter sich sah er die Hühner nach ihren Körnern picken, und er sprang zu ihnen hinunter. Der Mann sagte: „Ich habe dir doch gesagt, er ist ein Huhn!“ „Nein“, sagte der andere, „er ist ein Adler. Ich versuche es morgen noch einmal!“

Am nächsten Tag stieg er mit dem Adler auf das Dach des Hauses, hob ihn empor und sagte: „Adler, der du ein Adler bist, breite deine Schwingen aus und fliege!“ Aber als der Adler wieder die scharrenden Hühner im Hofe erblickte, sprang er abermals zu ihnen hinunter und scharrte mit ihnen. Das sagte der Mann wieder: „Ich habe dir gesagt, er ist ein Huhn!“ „Nein“, sagte der andere, „er ist ein Adler, und er hat immer noch das Herz eines Adlers. Lasses uns noch ein einziges Mal versuchen; morgen werde ich ihn fliegen lassen!“

Am nächsten Morgen erhob er sich früh, nahm den Adler und brachte ihn hinaus aus der Stadt, weit weg von den Häusern an den Fuß eines hohen Berges. Die Sonne stieg gerade auf, sie vergoldete den Gipfel des Berges, jede Zinne erstrahlte in der Freude eines wundervollen Morgens. Er hob den Adler hoch und sagte zu ihm: „Adler, du bist ein Adler. Du gehörst dem Himmel und nicht dieser Erde. Breite deine Schwingen aus und fliege!“: Der Adler blickte umher, zitterte, als erfülle ihn neues Leben – aber er flog nicht. Da ließ ihn der naturkundige Mann direkt in die Sonne schauen. Und plötzlich breitete er seine gewaltigen Flügel aus, erhob sich mit dem Schrei eines Adlers, flog höher und höher und kehrte nie wieder zurück.

 

 

 

Auf die Frage, was unser Wesen ausmacht, würde ich lakonisch antworten:

Gott und die Seele.

 

Gott: Hindurchzweifeln.

Seele: Enneagramm: Neun verblüffend unterschiedliche Wege.

 

 

 

 

 

Januar 2014

 

Nachreifung

 

Nachreifung ist fürchterlich langwierig, da frühe Prägungen tief und fest sitzen.

Um alte Gewohnheiten zu verändern, braucht es Tausende von Wiederholungen,

sehr viel Selbsterfahrung, Selbsterkenntnis, Bewusstheit und Wachheit.

 

 

 

Autobiografie in fünf Kapiteln von Portia Nelson

 

1. Ich gehe die Straße entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich falle hinein.

Ich bin verloren… ich bin hilflos.

Ich bin ohne Hoffnung.

Es war nicht meine Schuld.

Es dauert ein ganzes Leben, da wieder herauszufinden.

 

2. Ich gehe dieselbe Straße entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich tue so, als sähe ich es nicht.

Ich falle wieder hinein.

Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.

Aber es ist nicht meine Schuld.

Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.

 

3. Ich gehe dieselbe Straße entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich sehe es.

Ich falle immer noch hinein… aus Gewohnheit.

Meine Augen sind offen.

Ich weiß, wo ich bin. Es ist meine eigene Schuld.

Ich komme sofort wieder heraus.

 

4. Ich gehe dieselbe Straße entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich gehe darum herum.

 

5. Ich gehe eine andere Straße.